Rhein-Lahn-Kreis ist dabei: Neue Wege bei der Verwertung von Bioabfällen

Mittwoch, 15.02.2012

Wie können die Bioabfälle aus der braunen Tonne und die Grünabfälle in den nächsten Jahren ökologisch und energetisch sinnvoll verwertet werden? Die Antwort auf diese Frage sucht der Rhein-Lahn-Kreis derzeit gemeinsam mit acht weiteren Kommunen aus Rheinland-Pfalz und zwei aus Nordrhein-Westfalen. Ziel ist eine Zusammenarbeit über Kreis- und Ländergrenzen hinweg.

Bereits 2010 wurde mit einer Studie zur Optimierung der Bioabfallverwertung der Grundstein für eine mögliche strategische und praktische Zusammenarbeit in der kommunalen Abfallwirtschaft gelegt. Beteiligt waren neben dem Rhein-Lahn-Kreis die Landkreise Altenkirchen, Ahrweiler, Cochem, Mayen-Koblenz, Neuwied, Westerwald, Rhein-Hunsrück sowie die Stadt Koblenz, die Stadt Bonn sowie der Rhein-Sieg-Kreis. Nunmehr konnte der nächste Schritt vollzogen werden. In einer vertiefenden Konzept- und Machbarkeitsstudie zur interkommunalen Bioabfallverwertung sollen bis Mitte 2012 konkrete Ergebnisse auf dem Tisch liegen.

Im Beisein der Projektbeteiligten unterzeichnete der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Neuwied, Achim Hallerbach, stellvertretend für alle beteiligten Kommunen nunmehr die Verträge. „Ziel unserer gemeinsamen Bemühungen ist eine zukunftsorientierte Nutzung von Bio- und Grünabfällen. Hiervon sollen die Bürgerinnen und Bürger nachher durch günstige Entsorgungsgebühren profitieren. Gleichzeitig kann eine CO2-neutrale Energiegewinnung den Anforderungen des globalen Klimaschutzes Rechnung tragen“, erklärte Achim Hallerbach.

In einem eigens gebildeten Projektteam, in dem auch der technische Werkleiter der Rhein-Lahn-Kreis Abfallwirtschaft, Günter Müller, mitarbeitet, wurde in den vergangenen Monaten ein fachlich ausgewiesenes Beraterteam gesucht. Mit den Berliner Ingenieuren GAVIA GmbH und der Sozietät Gaßner, Groth, Siederer & Kollegen (GGSC) konnten schließlich Experten und Kenner der Abfallwirtschaft unter Vertrag genommen werden. In einem detailliert ausgearbeiteten Aufgabenkatalog, werden nun in den kommenden Monaten unterschiedlichste Lösungsansätze für eine künftige Bioabfallverwertung untersucht. Dabei sollen insbesondere die vorhandenen Erfassungs- und Anlagenstrukturen beleuchtet und unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten eingebunden werden. Ebenfalls sind die regionalen Aspekte zu berücksichtigen. Denn: Neue Anlagenstandorte zur Vor- und/oder Nachbehandlung müssen zahlreiche Kriterien erfüllen, die letztlich die Alternativen stark einschränken. Hingegen wäre es unwirtschaftlich, die vorhandene Infrastruktur zu Gunsten neuer Anlagen ungenutzt zu lassen.

Allein die neun beteiligten Körperschaften im nördlichen Rheinland-Pfalz verfügen über den Bioabfall von rund 1,3 Millionen Einwohnern. Mit den nordrhein-westfälischen Nachbarn wird sich dieses Potential nochmals um den Bioabfall von einer Million Menschen erweitern, so dass damit insgesamt eine Menge von mehr als 300.000 Tonnen Biomasse zur Disposition steht. Die angestrebten Mengenbündelungen auf der Basis von interkommunalen Kooperationen dürften die Handlungsspielräume für die Gebietskörperschaften erheblich erweitern. Dabei können allein die größeren Mengen wirtschaftliche Vorteile versprechen. Aber auch die mögliche Bereitschaft von Entsorgungsunternehmen oder der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger, in moderne Technologien und gegebenenfalls in neue Anlagen zu investieren, ist natürlich mit entsprechenden Mengenströmen verknüpft.

Damit den beteiligten Kommunen eine hohe Flexibilität für eine spätere konzeptionelle Neuausrichtung verbleibt, werden für anstehende Neuvergaben der Bioabfallentsorgung nur kurze Vertragslaufzeit bis einschließlich 2015 angestrebt, um dadurch ab 2016 eine Synchronisierung der kommunalen Partner zu ermöglichen.

Die Verwertung der Biomasse als erneuerbare Energieträger ist nach Ansicht der elf Kommunen noch deutlich ausbaufähig, so dass bei den Behandlungsverfahren auch die Vergärung sowie die energetische Verwertung in den Vordergrund rücken sollen. Ebenso muss ein nachhaltiges Energie- und Stoffstrommanagement für Abfallbiomassen besonders der regionalen Wertschöpfung dienen, so die gemeinsame Auffassung.

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